Friday, 27. April 2018 / 20:00 | Konzert & Screening

tomaga (uk, hands in the dark) perform kenneth anger’s «lucifer rising» & dj na-ah & fred hystère (oor, zh)

Wir freuen uns von Herzen diesen Freitag eine der OOR Records Konsens-Lieblingsbands im Walcheturm zu begrüssen. Die hyperaktiven Multiinstrumentalist_innen Tomaga aka «Lieblingsperkussionistin» Valentina Magaletti und Tom Relleen am Bass/Synthesizer vertonen den okkulten-psychedelic Experimentalfilmklassiker «Lucifer Rising» des schwulen Filmemachers und Enfant Terrible Kenneth Anger aus dem Jahr 1966.

Das Londoner Duo Tomaga kanalisiert Multiinstrumentalismen in dichte Strukturen, in welchen sich Industrial, Psychedelia, Jazz und Minimal Music organisch verschlingen. Der neugierig sonischen Erkundung verpflichtet, lösen sie bekannte Tropen zugunsten unbekannter Gefilde auf, und widmen sich innerhalb einiger gesetzter, kompositorischer Parameter furchtlos der gemeinsamen, manchmal fast symbiotisch scheinenden Improvisation. Tomaga spielte sich mit ihren eindrücklichen Performances rund um die Welt und sie kollaborierten unter anderem mit CAN, Thurston Moore, Pierre Bastien und tourten mit Wire, Deerhoof, FAUST, Lee Ranaldo und Silver Apples.

Erstmals im November 2017 im Cafe Oto in London aufgeführt, interpretiert Tomaga den Mitte 1960er entstandenen Originalsoundtrack von «Lucifer Rising» neu, komponiert von der problematischen Figur Bobby Beausoleil. Der Soundtrack entstand im Tracy Prison in Kalifornien, wo Beausoleil mit anderen mitgefangenen Musikern den Soundtrack auf Tape einspielte. Später war Beausoleil Teil der Manson Family und sitzt nach wie vor wegen Mord im Gefängnis. 
Als Teil seiner Magick Lantern Cycles bezieht sich Kenneth Angers «Lucifer Rising» auf Ideen von «The Book of the Law» des Okkultisten, Exzentrikers, Künstlers und selbsterklärten Magiers Aleister Crowley. Die ihm scheinbar von ägyptischen Göttern diktierten Zeilen erzählen – typisch für verschiedene esoterische/New Age Ideologien der 60er –vom Eintritt in ein neues Zeitalter des Kindes, das Aeon des Horus, das Zeitalter des Wassermanns. Ein Zeitalter in welchem alle nur noch frei ihrem Willen folgen sollen. «A time of self-realization as well as a growing interest in all things spiritual. Individuality and finding the individual's True Will are the dominant aspects; its formula is that of growth, in consciousness and love, toward self-realization.» Flucht in optimierte Ego-Unschuld? Erschreckend wie ebendiese Ideen aufgegriffen worden und in unsere Zeit eingeflossen sind und äusserst kompatibel innerhalb heutiger neoliberaler Wirtschaftslogiken funktionieren, und damals wie heute bestehende politische Kämpfe ausblenden. Deshalb ist der Film – nebst aus heutiger Perspektive anderen problematischen Aspekten – in seiner Zeit zu sehen. Auf sonischer Ebene führt uns Tomaga jedenfalls in ein mal berauschtes, mal stilles, mal eskapistisches, mal wütendes, vielschichtiges Jetzt welches von einem ambivalenten Verhältnis zur dominanten weissen, männlichen, appropriierenden, avantgardistischen Geschichte nicht loszulösen ist.

Wir freuen uns aufs gemeinsame Hören und Diskutieren und servieren dazu Magic Drinks in candle-light und vorher und nachher Musik ab Wax von Na-ah und Fred Hystère.

Tür: 20 Uhr
Konzert: Bei Einbruch der Dunkelheit
Kunstraum Walcheturm, Kanonengasse 20, 8004 Zürich